Stuttgarter mimt Terrakotta-Krieger

Ganz China lacht seit dem Wochenende über eine Aktion des Stuttgarter Aktionskünstlers Pablo Wendel. Der 26-Jährige gab in der alten Kaiserstadt Xian eine Probe seiner Verkleidungskünste und erfüllte sich zugleich einen Jugendtraum.

Wendel mimte einen der Tonsoldaten der weltberühmten Terrakotta-Armee des vor 2000 Jahren gestorbenen Gelben Kaisers und Reichseinigers Chinas. Wendel konnte sich als "erster ausländischer Krieger" unter die mehr als 1000 lebensgroßen Grabwächter einreihen, berichteten chinesische Zeitungen am Montag in großer Aufmachung.

Der Künstler sagte der Polizei, er begeistere sich seit seiner Kindheit für die tönernen Soldaten. Wendel ist an der Stuttgarter Akademie der Bildenden Künste eingeschrieben. Im siebten Semester hat er sich beurlauben lassen, um nach China zu gehen. Im ostchinesischen Hangzhou hatte der falsche Krieger von März bis Juli an einem Austauschprogramm der Kunstakademie teilgenommen - unter anderem studierte er dort Körpersprache, wie Wendel sagte.

Auf seine Aktion hatte er sich gründlich vorbereitet. Aus Hangzhou brachte der Künstler einen selbst gefertigten Helm, den täuschend ähnlichen Brustpanzer und eine flache Standplatte aus Ton mit. Er studierte Aussehen und Haltung der lebensgroßen Figuren, außerdem färbte er sein Gesicht und die Haare lehmfarben. Als er sich unbeobachtet fühlte, mischte er sich unter die tönernen Krieger. Seine Tarnung war so gut, dass die Wächter, die ihm nachsetzten, mehrere Minuten brauchten, um ihn zu finden.

Als er entdeckt wurde, weigerte sich Wendel zunächst seinen Posten zu verlassen. "Dann kam die echte Armee und hat mich rausgeholt." Er sei auch innerlich wie versteinert gewesen, schilderte der Deutsche seine Gefühle. Sechs Beamte haben ihn "wie einen gefällten Baum" weggetragen, berichteten die Medien. Die Polizei verwarnte ihn, so etwas nicht noch einmal zu machen. "Ich habe gemerkt, dass es eine Dummheit war", sagte Wendel. "Ich wollte nichts zerstören und war sehr vorsichtig."

Da er keinen Schaden anrichtete und die Polizei von seinen harmlosen Absichten überzeugen konnte, kam der Deutsche mit einer "ernsten Verwarnung" davon. Die Behörden konfiszierten Wendels Kostüm und setzten den jungen Mann in einen Zug, der ihn zurück nach Hangzhou brachte. Die Hochschule war über seine Aktion wenig erfreut und distanzierte sich: "Was er getan hat, hat nichts mit uns zu tun."

Im Internet ist er inzwischen zum Helden geworden. Webseiten verarbeiteten Fotos, die Besucher von ihm schossen, zu Suchspielen: "Findet den deutschen Tonkrieger", heißt es dort unter anderem. Die Verwaltung des Museums will als Konsequenz aus dem Vorfall mehr (lebendige) Wächter für die Anlage abstellen. Die weltberühmten Krieger sind Teil der Grabbeigabe des Kaisers Qinshihuang. Seit ihrer Ausgrabung Anfang der 70er Jahre kann die Terrakotta-Armee in dem Freilandmuseum besichtigt werden.

Johnny Erling, Peking Weitere Informationen unter: www.brouwer-edition.com/cv_wendel.php

Perfekte Tarnung

Pablo Wendel (kl. Bild) fertigte eine fast perfekte Nachbildung der Terrakotta-Krieger an, ehe er sich unter die lebensgroßen Figuren in dem Museum mischte. Fotos: dpa/AFP


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